Gefahr im Bodensee: Quagga-Muschel breitet sich massiv aus
Seit ihrem Erstnachweis im Jahr 2016 breitet sich die invasive Art rasant im See aus – inzwischen sogar bis in Tiefen von 180 Metern. Dabei verdrängt die Quagga-Muschel immer stärker die heimische Zebramuschel und gefährdet das natürliche Gleichgewicht im Ökosystem, Green Update berichtet.
Die Problematik ist vor allem auf die außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit und die hohe Reproduktionsrate der Quagga-Muschel zurückzuführen. Die Art kann sich ganzjährig vermehren und siedelt sowohl auf Sandböden als auch auf harten Oberflächen, etwa an Tiefbauanlagen. Studien belegen Dichten von bis zu 4.000 Muscheln pro Quadratmeter. Damit blockieren die Tiere zunehmend Rohrleitungen, beeinträchtigen Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung und verunreinigen Strände, was auch den regionalen Tourismus belastet.
Auch die ökologischen Folgen sind gravierend. Die Quagga-Muschel filtert große Mengen Wasser und sorgt so für erhöhte Klarheit, wodurch Licht tiefer in den See vordringt. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Pflanzen-, Plankton- und Fischgemeinschaften – mit der Folge, dass große Anteile des Zooplanktons und einheimische Muschelarten verdrängt werden. Fachleute schlagen Alarm: Das empfindliche Gleichgewicht des Bodensees steht auf dem Spiel.
Die wirtschaftlichen Folgen sind beträchtlich. Wasserwerke investieren bereits in teure Technologien wie Ultrafiltration und sogenannte „Molch“-Verfahren zur Reinigung ihrer Rohre. Diese Maßnahmen verursachen laufende Kosten im sechsstelligen Bereich jährlich. Zahlreiche Infrastrukturbereiche rund um den Bodensee stehen somit vor großen finanziellen Herausforderungen.
Als eine mögliche Maßnahme plant die Internationale Bodensee-Konferenz gezielte Forschungsprojekte, etwa zum Einsatz natürlicher Fressfeinde wie dem Rotauge (Rutilus rutilus). Allerdings ist die Umsetzung schwierig: In den betroffenen Gewässern fehlen bislang genügend Exemplare dieser Fische. Prognosen sind alarmierend – Expert:innen des Projekts SeeWandel rechnen bis zum Jahr 2045 mit einer Ver neun bis zwanzigfachung der Quagga-Muschel-Biomasse. Ohne schnelles, koordiniertes Handeln droht dem Bodensee ein Szenario wie am Lake Michigan (USA), wo die invasive Muschelart bereits über 90 Prozent der Gesamtbiomasse ausmacht.
